~ Only a dead man is a good man~

Autor: Betzi
Genre: schaun mer mal *gg*
Fsk: 12

1. Kapitel
Er kramte sein Feuerzeug auf der Jackentasche und steckte statt dessen seinen rechten Handschuh hinein. Mit dieser Hand entzündete er auch die Flamme und nahm genüsslich den ersten Zug der neuen Zigarette.
Es war kalt und der Winter erhielt voller Kraft Einzug in die Stadt. Die Schneeflocken landeten auf der Erde, doch das störte ihn nicht. Unbeirrt starrte er weiter auf die Tür des gegenüberliegenden Cafés.
Wie lang stand er nun schon da? Eine Stunde? Zwei? Vielleicht auch schon drei? Er wusste es nicht, doch es interessierte ihn auch nicht.
Die Menschen hasteten an ihm vorbei durch die Dunkelheit.
In seiner Nische war er ein wenig geschützt vor dem Wind und außer einem regelmäßigen Aufglimmen der Glut deutete nichts darauf hin, dass dort jemand stand.
Gerade nahm er den letzten Zug, als ein Windstoß sich zu ihm gesellte. Die viel zu lang gewordene Asche verteilte sich über seine Jacke. „Kaikki paska“, fluchte er leise und versuchte mit beiden Händen, den Dreck zu entfernen.

In diesem Moment öffnete sich die Tür des Cafés und ein Pärchen trat ins Freie. Die junge Frau zog fröstelnd die Schulter hoch und zog sich ihre Handschuhe an. Ihre Begleitung sprang übermütig die Stufen hinunter und rutschte beinahe auf dem Schnee aus. Das Lachen ließ den stummen Beobachter aufblicken. Einen Moment ärgerte er sich über seine Unachtsamkeit, doch dann nahm er die Verfolgung auf.

In sicherem Abstand, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, folgte er den beiden. Trotz der Menschen rund herum, war sie gut durch ihren hellen Mantel zu erkennen. Beide schienen viel Spaß miteinander zu haben, denn immer wieder drang übermütiges Lachen zu ihm herüber. Nun legte der Mann auch noch einen Arm um sie und sie ließ sich das gerne gefallen. Die vorübergehenden Passanten mussten meinen, dies sei ein frisch verliebtes Paar... doch der Verfolger wußte es besser.

Wut machte sich in ihm breit. Instinktiv ballte er die eiskalten Hände zu Fäusten. Vielleicht hätte er doch die Handschuhe anbehalten sollen... doch für diese Gedanken war nun keine Zeit. Die beiden waren um eine Straßenecke gebogen und er musste sich beeilen, um sie nicht doch aus den Augen zu verlieren.
Im letzten Moment konnte er noch sehen, wie die beiden in einem Haus verschwanden. Ganz der Gentleman hielt er ihr auch noch die Tür auf... wütend stieß die vermummte Gestalt die Luft aus. Was bildete der sich nur ein?!

Er schaute sich schnell um und entdeckte wieder ein Ecke, in der er sich unbeobachtet ein Kippchen gönnen konnte. Mit klammen Finger versuchte er das Feuerzeug zu bedienen. Erst beim fünften Versuch klappte es und er atmete den Rauch tief ein. Nun konnte er sich die Gegend in aller Ruhe anschauen.

Er befand sich auf einer ruhigen Seitenstraße, den Trubel hatten sie hinter sich gelassen. Nette kleine Häuschen standen hier Garten an Garten und die Autos der darin wohnenden Familien parkten ordentlich am Rand. Richtig idyllisch... irgendwie zu idyllisch! Irgendetwas lies seine Sinne wieder aufmerksam werden... dieses Auto da, der blaue Mondeo kam ihm bekannt vor. Mit diesem Wagen war sie vor einiger Zeit mal nach Hause gebracht worden... mit wem war sie an dem Abend noch gleich unterwegs gewesen? Gedanklich ging er ihre Bekannten durch, doch er kam nicht drauf. War ja auch völlig brause, mit wem sie sich rumtrieb... aber es musste doch schon wieder dieser Kerl sein, sonst würde sein Auto ja nicht hier stehen... Als wolle er diesen Gedanken wegwischen, strich er sich durchs Gesicht. Er wusste nicht, ob er jetzt hier noch warten sollte... nur eins war ihm vollkommen klar – dieser Mensch würde das nahende Weihnachten nicht erleben!

2. Kapitel
Unruhig lief Lauri durch die Wohnung. Katariina war noch immer nicht zu Hause und die Wohnung war ohne sie so bedrückend still. Mit einem Seufzer ließ Lauri sich auf das Sofa fallen und griff nach der Fernbedienung. Gelangweilt zappte er durch die Programme. Wo blieb sie bloß? Hoffentlich war ihr nichts passiert... Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es schon bald 22.00 Uhr war. Doch er musste sich eingestehen, dass Katariina in letzter Zeit häufiger erst sehr spät nach Hause kam und das wurmte ihn.

Wieder stand er auf, zündete sich eine weitere Zigarette an. Die wievielte war das heute Abend noch gleich? Dem Aschenbecher zu urteilen waren es zu viele... aber irgendwie musste er sich ja beschäftigen. Lauri stand am Fenster und schaute auf die Schneelandschaft draußen. Es waren keine Leute mehr unterwegs, eine weihnachtliche Ruhe lag über der Stadt.
Angewidert wollte er sich von diesem friedlichen Anblick abwenden, als sich ein Auto näherte. Es hielt gleich unter seinem Fenster und Lauri konnte erkennen, dass es Katariina war, die ausstieg. Hastig trat er vom Fenster weg, um nicht gesehen zu werden und legte sich wieder aufs Sofa. Scheinbar gespannt starrte er auf den Fernseher, als sich der Schlüssel im Schloss drehte.

Leise öffnete sich die Wohnungstür und ebenso leise zog sich Katariina die Schuhe und den Mantel aus. Auf Zehenspitzen schlich sie durchs Wohnzimmer in die angrenzende Küche.
„Da bist du ja endlich!“ Lauris Stimme direkt hinter ihr ließ sie erschrocken zusammenfahren.
Schnell atmend hielt sie sich eine Hand auf ihr Herz. „Verdammt Lauri, ich dachte, du wärst vor dem Fernseher eingeschlafen. Hast du mich jetzt erschreckt...“ Sie lächelte ihn an und legte ihre Arme um seinen Hals.
Lauri schmiegte sich an sie und sog ihren Duft in sich ein. „Ich hab dich vermisst,“ flüsterte er ihr Haar.
Katariina drückte Lauri enger an sich und hauchte einen Kuss auf seinen Hals. „Ich dich auch...“
Lauri drückte sie sanft ein Stück von sich weg und schaute sie an. „Warum warst du dann nicht hier? Wo kommst du überhaupt her?“
Katariina lächelte. „Beim Weihnachtsmann.“
„Oh je, dann hat der ja Überstunden gemacht,“ Lauri zwinkerte ihr zu.
Katariina löste sich von ihm. „So lieb warst du auch nicht, dass ich so viel für dich besorgen musste.“ Kichernd verschwand sie aus der Küche und löschte hinter sich das Licht.
Verdutzt stand Lauri einen Moment im Dunkeln, bevor er ihr folgte.
Katariina machte es sich gerade auf dem Sofa gemütlich, griff nach seinen Zigaretten und zündete für jeden eine an.
„Lass uns noch eine rauchen und dann ins Bett gehen, ja?“ Herzhaft gähnend streckte sie sich.
Lauri ließ sich neben sie fallen und beobachtete sie rauchend. Sie war wunderschön. Ihre Haare hingen ihr über den Rücken und schimmerten schwarz. Eine Strähne fiel vorwitzig in ihr Gesicht und verhinderte so den vollen Blick auf ihr ebenes Gesicht.
„Du starrst mich an,“ Katariina wandte ihren Blick nicht vom Fernseher und ein Lächeln umspielte ihre Lippen.
Ruckartig richtete Lauri sich auf und drückte seine und ihre Kippe aus. „Los komm, ich hab lang genug auf dich verzichten müssen...“ Freudig ergriff Katarrina seine ausgestreckte Hand und folgte ihm ins Schlafzimmer.

3. Kapitel
Summend verließ Katariina am nächsten Morgen das Haus. Ihre Gedanken drehten sich um Lauri und die schöne letzte Nacht. So vollkommen und glücklich hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt.
Sie warf noch rasch einen Blick nach oben und warf Lauri einen Kussmund zu, der am Fenster stand und ihr nachschaute.
Katariina wickelte ihren Schal fester um den Hals und marschierte los. Sie war zum Frühstück verabredet und schon viel zu spät dran. Lauri wollte indes mal wieder mit seinen Jungs proben.

Schon bald hatte sie den größten Teil ihres Weges hinter sich gebracht und wie jeden Tag im Dezember waren die Straßen überfüllt mit Menschen, die ihre Weihnachtseinkäufe tätigten. Sie zog den Geruch ein, der in der Luft lag. Es roch nach Schnee und typischen Weihnachtsmarkt-Düften. Sie beschloss, einen kleinen Umweg über den Markt zu machen und sich die Auslagen dort anzuschauen. Vielleicht würde sie ja auch noch was Schönes für Eicca finden. Für ihn hatte sie bisher leider noch keine Geschenkidee, obwohl sie schon so lange befreundet waren. Er würde schon nicht böse sein, wenn sie ein bisschen später kommen würde.

Katariina wurde auch recht schnell fündig und ließ sich die Lampe gleich einpacken. Eicca würde sie gefallen, er hatte schon immer ein Faible für asiatische Dekoration. Schnellen Schrittes schlängelte sie sich nun zum Ende des Marktes durch und bog dann rechts ab. Sie konnte das Haus schon erkennen und Eicca fuhr mit seinem Wagen gerade vor.
Er war wohl noch Brötchen holen, schmunzelte sie und beeilte sich noch ein bisschen mehr.
„Guten Morgen, Eicca,“ rief sie ihm gut gelaunt entgegen, als er aus dem Auto aussieht. Er drehte sich zu ihr um und winkte. Vom Beifahrersitz holte er in der Tat eine Tüte mit Brötchen. Bei dem Gedanken an den leckeren, warmen Teig lief Katariina das Wasser im Mund zusammen.

Sie wollte schon mal die Straßenseite wechseln, um gleich mit Eicca ins Haus gehen zu können, als er noch schnell das Auto abschloss. Seit er das neue Auto hatte, musste er jedem stolz präsentieren, dass er dies nun per Knopfdruck konnte.
Doch statt des Schließen der Schlösser ertönte ein ohrenbetäubender Knall und Katariina wurde voller Wucht zurück geschleudert.
Schmerzhaft war der Aufprall auf dem eiskalten Boden und sie verlor kurz die Orientierung.
„Eicca,“ schoss es ihr schlagartig durch den Kopf und sie rappelte sich wieder auf. Doch das Bild, was sich ihr bot, war einfach nur grauenhaft.
Das neue Auto stand in Flammen, von Eicca war keine Spur zu sehen und durch den Druck der Explosion waren die Brötchen in alle Richtungen verteilt.
Voller Entsetzen starrte Katariina auf das Trümmerfeld, welches sich ihr bot.

Panisch rannte sie auf die Unglücksstelle zu, immer wieder verzweifelt nach ihrem Freund rufend.
Dass er nicht mehr antworten würde, verdrängte sie.
Der Lärm hatte die Nachbarn auf den Plan gerufen und schon konnte man überall neugierige Gesichter sehen.
„Schnell, wir brauchen einen Arzt,“ rief Katariina mit schriller Stimme, bevor sie weinend an der Stelle zusammenbrach, an der Eicca eben noch fröhlich auf sie gewartet hatte.
Die schwarze Person, die sich davonschlich, bemerke niemand.

4. Kapitel
Laut krachend viel die schwere Eisentür ins Schloss und lies die Kälte draußen. Lauri schüttelte sich wie ein frisch gebadeter Hund und zog sich die Mütze vom Kopf. Was für ein Sauwetter, fluchte er, während er gen Proberaum ging. Wenn er pünktlich gekommen wäre, hätte ihn Aki noch mitnehmen können... aber er musste vorher noch was erledigen, was dummerweise zu viel Zeit in Anspruch genommen hatte...

Es war düster hier im Flur, doch er kannte den Raum wie seine Westentasche. Lauri wusste genau, dass links neben der Tür leere Bierkästen standen und daneben Boxen für das Equipment zu finden waren. Rechts von der Tür ging ein kleiner Gang ab, der mit allerlei Dingen vollgestellt war, die im Nosturi gebraucht wurden oder einfach nur ausgelagert waren.

Doch Lauri ging direkt geradeaus auf eine weitere schwere Tür zu, durch die ein kleiner Lichtstrahl fiel. Ein wenig verwundert darüber, dass es so ungewohnt still hier war, stieß er sie auf und trat ein.
Wie üblich sah der Proberaum nicht besonders ordentlich aus, es war gerade chaotisch genug, sich hier noch wohl zu fühlen.
Ein leicht modriger Geruch lag in der Luft, doch dies machte es für Lauri hier nur noch heimeliger.

Seine Bandkollegen waren zu seinem Erstaunen schon da, saßen einfach nur so rum. „Hey Jungs,“ fröhlich grüßte Lauri in die Runde, „was macht ihr denn für Gesichter?“
Er zog seine Jacke aus und warf sie in die nächstbeste Ecke.
Pauli schaute ihn nur an, während Aki auf ihn zu kam. „Setz dich, es ist was passiert.“
Lauri wurde unruhig. Wenn sein bester Freund so ernst schaute, musste es ja was schlimmes sein.
„Nun sag schon, was ist denn los?“ Nervös tippelte er von einem Fuß auf den anderen, schaute von Aki über Pauli zu Eero und dann wieder zu Aki. „Was um Himmels willen ist denn passiert? Ihr schaut ja so, als ob wir einen Flop gelandet hätten...“
„Schlimmer, Lauri.“ Nun meldete sich auch Eero zu Wort.
Nervös zündete Lauri sich eine Zigarette an, diese Geheimnistuerei machte ihn wahnsinnig. „Dann kommt doch endlich mal zur Sache...“ Schroff wies er seine Freunde zurecht.

„Okay,“ Aki setzte sich aufrecht hin, „eigentlich wollten wir dir das schonend beibringen, aber irgendwie fehlen uns die Worte. Es geht um Katariina... Die Polizei war eben hier, sie haben dich gesucht.“
Schlagartig wurde Lauri weiß, doch bevor er etwas sagen konnte, sprach Aki weiter.
„Katariina ist im Krankenhaus. Es gab heute eine Explosion. Eiccas Auto ist in die Luft gegangen und sie war in der Nähe.“ Beruhigend legte er einen Arm auf Lauris.
„Es geht ihr gut, sie hat nur ein paar leichte Verbrennungen und eine Prellung am Rücken. Doch sie steht unter Schock... von Eicca ist nichts mehr übrig geblieben und sie musste das alles mit ansehen....“
Lauri starrte nur geradeaus.
Seine geliebte Katariina... vor einer Stunde noch hatte sie sich fröhlich von ihm verabschiedet und nun sollte sie im Krankenhaus sein? Er konnte das nicht fassen... er musste zu ihr.
Sofort griff er wieder nach seiner Jacke und war schon mit einem Fuß zur Tür hinaus. „Wo?!“ rief er noch mal zurück in den Raum.
„Ich bring dich hin...“ Aki schnappte sich ebenfalls seine Jacke und schon liefen beide zu dem roten Auto auf dem Parkplatz.

5. Kapitel
Leichenblass lag Katariina auf dem Bett, an ihrem Arm hing ein Schlauch und Lauri lief ein Schauer über den Rücken. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können... er war so unglaublich froh, dass sie am Leben war.
Ein Räuspern ließ ihn zusammenfahren und erst jetzt sah er, dass noch jemand mit im Raum war.
Der Mann kam auf ihn zu und reichte ihm die Hand. Leise stellte er sich als Herr Tompuri, dem leitenden Ermittler vor.
„Und was wollen Sie von meiner Freundin?“
Lauri konnte noch immer nicht den vollen Umfang begreifen.
„Ihre Freundin war die Einzige, die den Unfall miterlebt hat. Ich brauche sie als Zeugin. Sobald sie aufwacht, muss ich sie befragen.“
Lauri nickte und näherte sich vorsichtig Katariinas Bett. Behutsam nahm er ihre Hand und strich mit dem Daumen über ihren Handrücken.
Katariinas Hand zuckte unter der Berührung und langsam regte sich wieder Leben in ihr.

Mühsam öffnete sie die Augen. Sie musste sich erst an das helle Licht im Raum gewöhnen, durch die Beruhigungsmittel war sie in eine angenehme Schwärze gefallen. Sie schaute sich im Raum um und als ihr Blick bei Lauri angelangt war, wurde ihr wieder das Erlebte bewusst. Tränen traten ihr in die Augen und sofort legte Lauri die Arme um sie.
Immer wieder strich er ihr über den Rücken. „Es wird alles wieder gut, ich bin ja bei dir,“ murmelte er immer wieder, bis sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte.

„Frau Wuorni,“ Herr Tompuri trat nun ebenfalls an Katariinas Bett, „ich möchte von Ihnen wissen, was passiert ist. Sind Sie in der Lage, ein paar Fragen zu beantworten?“
Tapfer nickte Katariina. Sie hatte das dringende Bedürfnis, sich alles von der Seele zu reden. Doch sie hatte auch Angst... Eiccas Unfall war erst ein paar Stunden her, wenn überhaupt und eigentlich wollte sie nicht schon wieder diese schrecklichen Bilder vor sich sehen.

Lauri merkte ihre Unsicherheit und drückte ihre Hand. „Du musst es nicht jetzt tun, wenn du noch nicht kannst... komm erst mal zur Ruhe und dann können wir immer noch zur Polizei gehen.“
Katariina schaute ihn dankbar an. Lauri erschrak über den Ausdruck in ihren Augen. Ihm war eben gar nicht aufgefallen, wie leer und farblos sie waren.

Stockend begann Katariina zu erzählen... dass sie mit Eicca zum Frühstück verabredet war, dass er mit dem Auto noch Brötchen holen war, dass sie gerade die Straßenseite zu ihm wechseln wollte, als das Auto auf einmal in Flammen aufging... immer wieder wurde sie von Tränen geschüttelt und Lauri hielt sie in seinen Armen.

„Ich glaube, das reicht. Danke Frau Wuorni, Sie haben mir schon sehr geholfen. Eine letzte Frage nur noch... Sie haben nicht zufällig etwas auffälliges gemerkt? Einen Hinweis auf den Täter oder sonstiges?“
Katariina schüttelte den Kopf und Herr Tompuri packte sein Notizbuch zurück in die Tasche, nickte ihr dann nochmals zu, bevor er den Raum verließ.
Erschöpft fiel Katariina zurück in die Kissen. Mit geschlossenen Augen flüsterte sie: „Lauri, lass mich nicht alleine...“ Dann fiel sie zurück in einen unruhigen Schlaf.

6. Kapitel
~einige Wochen später~
Katariina hatte sich körperlich gut von dem Erlebten erholt. Doch Nachts war sie immer wieder schreiend und weinend aus Albträumen erwacht, bis sie sich entschloss, eine Bewältigungstherapie zu machen.
Anfangs war Lauri nicht besonders begeistert davon gewesen... seine Freundin in einer Therapie... das hörte sich so nach Klapse an...
„Schatz, du bist ja auch nicht immer hier, um mich vor allem Bösen zu beschützen,“ Katariina hatte ja so Recht und er besann sich eines Besseren.

In wenigen Minuten würde Katariina von einer Sitzung wiederkommen und Lauri wollte sie mit einem Abendessen überraschen.
Pfeifend stand er am Tresen und zupfte den Salat. Im Ofen brutzelte ein leckerer Auflauf und der Tisch war liebevoll gedeckt.
Er freute sich auf einen ruhigen Abend mit ihr. In der letzten Zeit war er viel unterwegs gewesen und hatte sie kaum gesehen, heute wollte er diese traute Zweisamkeit nachholen.

Er hörte, wie sich der Schlüssel im Schloss drehte. Genau im richtigen Moment, denn das Essen war nun komplett vorbereitet.
Lächelnd trat er in den Flur und wollte Katariina begrüßen. Doch sein Lächeln erstarb, als er sah, dass sie nicht alleine war.

Plaudernd und lachend betrat sie mit einem jungen Mann die Wohnung. Nachdem sich beide ihrer Jacken entledigt hatten, gab Katariina Lauri im Vorbeigehen einen Kuss.
„Hallo, Schatz. Das ist Maunu, er ist mit mir in der Gruppe.“
Maunu streckte Lauri freundlich die Hand entgegen, doch dieser schüttelte sie nur, ohne eine Miene zu zeigen.
Lauris Augen hatten schlagartig an Glanz und Freude verloren und schauten Maunu nur abschätzend an.
Dieser wich eingeschüchtert einen Schritt zurück und sah hilfesuchend zu Katariina. Diese hatte diese kurze Konfrontation jedoch nicht mitbekommen, sondern streckte ihre Nase in die Luft.
„Was riecht denn hier so herrlich? Hast du gekocht, Lauri?“ und schon lief sie schnuppernd Richtung Küche.
Kurz darauf war ein verzücktes Quietschen zu hören. „Schatz, der Tisch sieht zauberhaft aus.“
Noch ein letzter Blick gen Maunu und Lauri folgte seiner Freundin ins Esszimmer.

Gerade wollte er die Arme um sie legen, als sie auch schon wieder völlig überdreht durch die Gegend sprang. Mit einem leisen Lächeln beobachtete er sie... sie war so glücklich wie schon lange nicht mehr – und er war nicht der alleinige Grund, was ihm missfiel. Ohne etwas dagegen tun zu können, stieg Hass auf Maunu in ihm auf.

„Maunu, magst du nicht mit uns essen? Lauri hat bestimmt genug für uns alle gemacht,“ rief Katariina aus der Küche und kam auch schon mit einem weiteren Gedeck wieder. „Ich dulde keine Widerrede,“ mit einem Zwinkern brachte sie den ungebetenen Gast wieder zum Schweigen, der seinen Mund sogleich wieder lautlos wie ein Fisch schloss.

7. Kapitel
Unwirsch knallte Lauri den letzten Teller in die Spülmaschine und schloss dann ebenso geräuschvoll die Türe.
Das konnte doch wohl nicht wahr sein, dass dieser Mensch noch immer in ihrem Wohnzimmer saß.
Den ganzen Abend schon war er nicht zu Wort gekommen oder wurde auch nur eines Blickes von Katariina gewürdigt. Klar, sie hatte ab und zu Anekdoten aus ihrem gemeinsamen Leben erzählt, aber Insider aus der Therapie oder andere Themen, zu denen er nichts beitragen konnte, dominierten den Abend. Nun hätte Maunu wenigstens anstandshalber helfen können, das dreckige Geschirr abzuräumen.

Mürrisch betrat er wieder das Esszimmer, wo die beiden eben noch munter geplaudert hatten. Doch es war leer... einen Moment stutzte Lauri, dann hörte er Stimmen auf dem Balkon.
Er konnte durch die Scheibe sehen, dass die beiden frierend draußen standen und rauchten.

Es hatte wieder begonnen zu schneien und die Flocken ließen sich sanft und leise auf Katariinas Haaren nieder. Sie sah so glücklich und zugleich so zerbrechlich aus, wie sie da stand, die Arme um sich geschlungen, um nicht vollkommen zu erfrieren.
Ein liebevolles Lächeln glitt über Lauris Gesicht, was sich jedoch zugleich wieder verlor, als er sah, dass Maunu ihr gefährlich nahe stand. Fehlte nur noch, dass er die Arme um sie legte... Lauris Herz zog sich bei diesem Anblick zusammen und er kam sich einmal mehr fehl am Platze vor.
Noch ein letzter Blick, dann nahm er seine Jacke vom Haken und verließ die Wohnung.

Katariina bekam von all dem nichts mit. Sie hatte schon lange nicht mehr so ausgelassen gelacht und gealbert und sich vor allem schon lange nicht mehr so verstanden gefühlt. Es kam ihr vor, als würde Maunu und sie eine Seelenverwandtschaft verbinden.
Sie verlor sich in ihren Gedanken und stand einfach nur schweigend neben Maunu, während sie schon die nächste Zigarette rauchte.

Klar, Lauri war auch immer für sie da und versuchte, ihr das Leben so angenehm zu machen. Jedes Mal, wenn sie wieder an Eicca denken musste, brachte er sie auf andere Gedanken und ließ sich immer wieder neue, niedliche Ideen einfallen. Sie war so unendlich dankbar dafür, dass er an ihrer Seite war und doch vermisste sie sein Verständnis für ihre Situation. Er behandelte sie wie ein rohes Ei und genau das war es, was sie eigentlich nicht wollte...

Unweigerlich sah sie sein Bild vor ihrem inneren Auge. Seine strahlenden Augen, wenn er sie anschaute, die Liebe, die daraus sprach... Lauri... wo war er eigentlich? Suchend drehte sie sich um, doch sie konnte ihn nicht erblicken.
Vielleicht war er noch in der Küche oder hat sich ins Studio verzogen. Sie seufzte laut und drückte dann ihre Kippe aus.

„An was hast du gedacht?“ Maunu schaute sie fast schon liebevoll an, „du warst auf einmal ganz weit weg...“
„An Lauri, ich glaub, ich muss mich jetzt mal ein bisschen um ihn kümmern,“ entschuldigend sah sie ihn an.
Er lächelte sie an. „Ist ja kein Problem, ich sollte eh gehen.“
Dankbar ließ sich Katariina in den Arm nehmen.
So kam es, dass beiden nicht den Schatten sahen, der schon einige Zeit auf der anderen Straßenseite zu sehen war und nun davon huschte...

8. Kapitel
Die kommende Woche lief eigentlich ruhig ab. Lauri war viel im Studio und Katariina verbrachte die Zeit zu Hause. Nachdem sie die komplette Wohnung gründlich aufgeräumt und gesäubert hatte, schaute sie sich um. Alles war blitzblank und die umgestaltete Dekoration sah auch sehr gut aus. Den Weihnachtsschmuck hatte sie ordentlich zurück in die Kisten verstaut und diese waren wieder in der Abstellkammer verschwunden.
Eigentlich gab es für sie hier nichts mehr zu tun, bemerkte sie ein wenig resignierend. Sie schmiss sich also aufs Sofa, schnappte sich die Fernbedienung des Fernsehers und zündete sich eine Zigarette an.

Gemütlich rauchend schaltete Katariina durch die Programme, doch es lief nichts gescheites. Ihr wurde langweilig. Was sollte sie nur mit sich anfangen? Bis Lauri wieder zurück sein würde, würden noch Stunden vergehen und wenn sie Pech hatte, war es dann schon spät in der Nacht.
Seit Tagen war sie schon nicht mehr in der Stadt gewesen. Dauernd hatte Lauri Angst um sie und wenn sie ehrlich war, hatte sie die auch.
Seit dem Unfall mit Eicca war aus der selbstbewussten, jungen Frau eine verängstigte Person geworden. So konnte das nun wirklich nicht weiter gehen. Klar, die Gruppe gab ihr Unterstützung und auch die Alpträume wurden weniger, doch sie wollte zurück in ihr altes Leben.

Mit einem Ruck richtete sie sich auf und drückte die Zigarette aus. Dieses alte Leben würde sie sich jetzt zurück holen, beschloss sie.
Schnellen Schrittes ging sie ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. In den Putzklamotten konnte sie unmöglich auf die Straße gehen. Schnell war Katariina sich in eine Jeans plus Oberteil geschlüpft und machte sich auf den Weg ins Bad, um die Haare zu richten. Noch ein wenig Make up aufgetragen und sie betrachtete sich im Spiegel.

Ihre Augen blitzen nicht mehr so fröhlich wie früher und das satte Blau war verblasst. Sie sah noch immer hübsch aus, doch der ernste Gesichtsausdruck war ihr zuwider. Frech streckte sie ihrem Spiegelbild die Zunge heraus. „Du wirst schon wieder lachen, wart’s nur ab,“ sagte sie und löste dann ihren Blick.

Neuen Mutes griff sie nach ihrer Tasche und dem Mantel, zog leise die Wohnungstür zu und lief die Treppen herunter.
Vor der Haustür angekommen, überkamen sie doch leise Zweifel. Doch was sollte schon passieren? Sie konnte sich schließlich nicht auf alle Zeiten verkriechen und das wollte sie auch gar nicht. Katariina atmete noch einmal tief ein, griff dann nach der Klinke und trat aus dem Haus.

Es wurde langsam wieder wärmer und die ersten Sonnenstrahlen lugten zaghaft hervor. Der Schnee begann zu schmilzen und es war einfach das perfekte Wetter für einen Spaziergang.
Mit einem Lächeln auf den Lippen lief sie die Straße entlang. Heute würde sie endlich wieder shoppen gehen...

9. Kapitel
„Mensch, Lauri, nun streng dich doch mal an,“ herrschte Pauli ihn an. Sie waren nun schon seit Stunden im Studio und dauernd haperte es an dieser einen Stelle. Lauri war einfach nicht bei der Sache und so klappte diese Passage des neuen Songs auch nicht. Immer wieder träumte er vor sich hin, spielte gedankenverloren mit seinen Federn, die er auch in seiner Freizeit trug. Es war nicht das erste Mal, dass er den Einsatz verpasste oder einfach die Töne nicht traf.
„Tut mir leid, Pauli,“ Lauri sah wirklich betreten aus, „lass uns eine Pause machen. Ich werde mir ein bisschen die Beine vertreten und wenn ich wieder da bin, klappt es bestimmt besser.“
Pauli seufzte. Er hatte die Hoffnung eigentlich schon begraben, dass das heute noch mal was werden würde, doch er nickte zustimmen.
„Meinetwegen, lass uns ne Stunde unterbrechen. Bringt ja gerade eh nichts...“ Er drückte einige Knöpfe am Mischpult und stand dann auf.

Es war schon ein ungewohntes Bild, Pauli mal nicht an seiner Gitarre zu sehen, doch er wollte bei dem neuen Album so gerne Co-Produzent sein und da er schon bei kleineren Bands sehr erfolgreich darin war, verwehrte man ihm diese Chance bei The Rasmus nicht.
Lauri legte die Kopfhörer beiseite, griff nach seiner Jacke und verließ dann auch das Studio. Die Stunde wollte er wirklich dazu nutzen, einen klaren Kopf zu bekommen.
Ihn gingen so viele Dinge durch den Kopf, dass selbst der Gesang ihn nicht ablenkte. Die Geschichte mit Eicca, Kathariinas Therapie und all das Geschehene ließen ihn einfach nicht los. Natürlich war da auch noch Maunu, der immer und immer wieder um seine Freundin herumschlich.
Bei dem Gedanken daran schnaubte Lauri laut, so dass ihn entgegen kommende Passanten stirnrunzelnd anschauten.
Dieser Mensch war ihm wirklich nicht geheuer und Lauri würde alles darauf verwetten, dass Maunu hinter Kathariina her war, sie ihm ausspannen wollte. Bisher hatte er augenscheinlich nicht sonderlich viel Erfolg damit gehabt, doch das hieß ja nicht, dass es so bleiben würde.
Sobald das Album im Kasten war, wollte die Band wieder touren. Promotion, Interview und Auftritte standen dann auf dem Programm und Lauri würde sich nur noch wenig um Kathariina kümmern können.

Ohne es gemerkt zu haben, war Lauri in der Straße angekommen, in der er wohnte. Unschlüssig blieb er einen Moment stehen, überlegte, ob er nach oben gehen sollte, um mit Kathariina einen Kaffee zu trinken.
Doch noch bevor er diesen Gedanken weiterdenken konnte, öffnete sich die Haustüre und seine Freundin trat auf die Straße.
Ein zufriedenes und stolzes Lächeln lag auf ihren Lippen. Es sah aus, als würde sie noch einmal tief Luft holen, bevor sie sich zum Gehen wand und Richtung Stadt ging.
In sicherem Abstand folgte Lauri ihr...

10. Kapitel
Gemütlich schlenderte er durch die Einkaufsstraße. Gelegentlich sah er sich die Auslagen in den Schaufenstern an, doch eigentlich hatte er nur Augen für sie.
Zuerst war er über ihren heutigen Mut erstaunt gewesen, konnte fast nicht glauben, mit welcher Leichtigkeit sie das Haus verlassen hatte. Doch ein Blick in ihre Augen sagte ihm, dass sie Angst hatte. Angst, die sie mit Normalität zu unterdrücken versuchte.
Gerade betrat sie das nächste Geschäft. Eigentlich wollte er ihr unauffällig folgen, doch dann viel sein Blick auf die Werbung neben dem Eingang: Dessous. Da wollte er lieber nicht hinein, so blieb er auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen und zündete sich erst mal eine weitere Zigarette an.

Die Straße war belebt, die Leute liefen mit Einkaufstüten beladen von einem Geschäft zum nächsten und wenn man ihn sah, dachte man, er wäre nur ein Mann, der auf seine Frau wartete.
Irgendwie war das ja auch so. Nur, dass er nicht die Einkäufe tragen musste. Er schmunzelte, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder ihr zu.

Sie hatte gerade den Laden verlassen und trug nun auch eine kleine Tüte bei sich. Was sich wohl darin befand? Sie würde wohl kaum in diesem Laden einkaufen, wenn sie nur normale Unterwäsche benötigte. Das war bestimmt etwas ganz besonderes, was sie irgendwann in trauter Zweisamkeit mal vorführen würde.

Bei diesem Gedanken zog er einmal scharf die Luft ein, bevor er ihr im sicheren Abstand folgte. Auf keinen Fall wollte er entdeckt oder angesprochen werden. Bisher hatte ihn Gott sei Dank noch niemand erkannt.

~

Katariina schaute sich unauffällig über die Schulter. Sie hatte schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass ihr jemand folgen würde. Sie ließ ihren Blick über die Straße schweifen, doch sie konnte niemanden ausmachen, auf den das zutreffen würde.
Sie zuckte mit den Schultern. Langsam wurde sie echt paranoid.

Reflexartig zog sie ihre Handtasche näher an sich ran und ging dann weiter. Sie freute sich auf heute Abend. Seit dem Abend, als sie Maunu einfach mit nach Hause gebracht hatte, plagte sie ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Lauri hatte so enttäuscht ausgesehen und sie wollte das wieder gut machen.
Die Dessous, die sie eben geholt hatte, würde ihr sicherlich dabei behilflich sein.

Vielleicht sollte sie auch etwas Leckeres kochen und dann könnten Lauri und sie einen gemütlichen Abend verbringen.
Durch ihre Therapie und seine Arbeit an dem neuen Album hatten sie eh viel zu wenig Zeit miteinander und es würde sicherlich auch bald eine neue Tour kommen. Die verbleibende Zeit wollte sie gut nutzen.

Katariina betrat das nächste Geschäft. Vielleicht würde sie ja hier noch ein paar neue Klamotten finden. Sie wühlte sich gerade durch einen Stapel Hosen, als die Türschelle wieder ging. Sie schaute kurz auf.
Ihr Blick blieb an einem Mann kleben, der unschlüssig umher schaute. Den hatte sie doch eben schon mal gesehen.
Diese schwarze Mütze und der knielange Mantel kamen ihr irgendwie bekannt vor. Die Statur, seine Haltung, es kam ihr vor, als würde sie diesen Mann kennen. Leider konnte sie sein Gesicht nicht erkennen, da er sich die Auslage anschaute.

Mit einem unruhigen Gefühl im Bauch verließ sie das Geschäft schnellen Schrittes wieder.
Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, so schnell alleine das Haus zu verlassen.
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