~ One last time II ~

Autor: Betzi
Genre: Drama
Fsk: 14
Disclaimer: Das Copyright der Songtexte liegt bei den jeweiligen Songwritern.

„Lauri!“
Dumpf höre ich eine Stimme, die meinen Namen ruft.
Langsam kehrt wieder Leben in meinen Körper zurück, doch ich fühle mich noch immer schwach.
Mein Kopf ist wie in Watte gepackt und so sehr ich mich auch bemühe, ich kann meine Augen nicht öffnen.
„Lauri, wach endlich auf!“
Schon wieder diese penetrante Stimme.
Zwei Hände umklammern meine Schultern und ich werde kräftig gerüttelt.
Mir tut alles weh und mir entfährt ein Stöhnen.
„Er kommt wieder zu sich.“
Noch einmal werde ich geschüttelt, dann entfernen sich Schritte von mir und ich höre das Öffnen einer Tür.
Wasser rauscht und schon drifte ich wieder in das Land der bunten Farben.
Die Schritte kommen wieder auf mich zu, doch das nehme ich nur noch wage wahr.

Platsch! Mit einem Schlag bin ich triefend nass. Schlagartig kehrt mein Bewusstsein zurück und ich schlage die Augen auf.
Über mir kann ich zwei Gesichter erkennen, die noch reichlich unklar sind. Ich blinzle mit den Augen und dann sehe ich, dass Eero und Aki über mir beugen.
„Lauri, bist du wach?“
Akis Stimme klingt besorgt.
Ich nicke nur, versuche mich aufzurichten.
Nun erst bemerke ich den Eimer, den Eero in seiner Hand hält.
Verwundert runzle ich die Stirn. Die werden doch wohl nicht...
„Ich wußte doch, dass eiskaltes Wasser hilft...“ Eero feixt, doch man kann auch ihm die Erleichterung ansehen.
„Mensch Lauri, was machst du denn für Sachen?“ Eero schüttelt den Kopf, „fällst hier einfach so um und wir suchen dich wie verrückt...“

Ich habe mich mittlerweile aufgesetzt und schaue leicht verwirrt zu Aki. Was ist denn hier los? Doch der schüttelt kaum merklich den Kopf und ich nicke Eero einfach nur zu.
„Mir geht’s wieder besser... ich muss mich nur noch einen Moment ausruhen...“
Eero greift nach dem Eimer. „Dann leg dich noch einen Moment hin und zieh dir was trockenes an. Sonst erkältest du dich noch.“
Er nickt mir noch mal kurz zu und verlässt dann das Zimmer.

Aki sitzt mir noch immer gegenüber und starrt mich an. Es herrscht betretenes Schweigen im Raum. Mit einem Seufzer streiche ich mir durch die Haare. Scheiße, was war denn nur los mit mir?
Ich spüre Akis Blick, doch ich traue mich nicht, ihn auch anzuschauen. Beschämt schaue ich auf meine Füße.
„Du hast es versprochen...“ Akis Vorwurf durchschneidet die Stille.
Ruckartig steht er auf und verlässt ebenfalls den Raum, ohne mich noch eines Blickes zu würdigen.

Ratlos bleibe ich auf dem Bett sitzen. Ich weiß nicht mal, wie ich hier hin gekommen bin, geschweige dann, was in der letzten Zeit passiert ist. Draußen ist es hell, die Sonne scheint und ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass wir schon späten Nachmittag haben. Welchen Tag haben wir überhaupt?

**************************

Ich muss wohl wieder eingeschlafen sein, denn ich werde von einem Klopfen geweckt. Kaum habe ich registriert, wo ich bin, streckt auch schon jemand seinen Kopf durch den geöffneten Türspalt.
„Lauri? Bist du wach? Wir wollen frühstücken und dann müssen wir weiter...“ Pauli zieht seinen Kopf wieder zurück und ich drehe mich seufzend auf den Rücken.
Mir ist schon ein wenig unwohl dabei, den anderen nach gestern unter die Augen treten zu müssen. Aber daran führt wohl kein Weg vorbei...
Mühsam rapple ich mich auf und tapse ins Bad. Den Spiegel ignoriere ich großzügig, ich weiß auch so, dass ich ziemlich scheiße aussehe. Aber auch der schönste Mann hat mal schlechte Tage...
Ich drehe den Wasserhahn auf und spritze mir ein paar Tropfen kaltes Wasser ins Gesicht. Eigentlich müsste man jetzt ein Zischen hören, denn ich habe das Gefühl, mein Kopf ist so heiß, dass er explodiert.
Ich greife nach der Zahnbürste und der Paste und als ich den Deckel öffnen will, merke ich wieder dieses Zittern in den Händen.
Einen kurzen Moment überlege ich... da müsste doch noch was sein... ich lasse alles fallen und stürze zurück ins Zimmer.
Hektisch durchwühle ich meine Tasche... nichts. Die kleinen Seitentaschen sind auch leer. Ich werde hektisch, reiße die Klamotten aus der Tasche. Gerade stecke ich meinen Kopf in die Tasche, als sich wieder die Tür öffnet.
„Lauri, wo bleibst du denn?“
Aki tritt ein.
Als er mich inmitten der Kleiderberge entdeckt, versteinert sich sein Gesicht.
„Du brauchst nicht weiter suchen...“
Ich fahr hoch und starre ihn an.

„Wo?“
Mehr bringe ich nicht raus. Wie kann er es wagen, an meine Sachen zu gehen? Nun fällt mir erst auf, wie ordentlich meine Klamotten gefaltet waren... hätte mir ja gleich auffallen müssen...
„Weg.“
Ich trete auf Aki zu, komme ihm bedrohlich nahe, doch er lässt sich nicht einschüchtern. Kalt und starr ist sein Blick, als ich ihn an den Schultern packe.
„Wo hast du es hingetan?“
Wütend starre ich ihn an.
„Ich hab es entsorgt. Du hast versprochen, das Zeug nie mehr anzurühren... hast du nicht noch von gestern genug?“
Mittlerweile blitzen seine Augen auch gefährlich.
„Verdammt, Aki, du sagst mir jetzt sofort, wo du meine Sachen hingepackt hast... das ist nun langsam nicht mehr lustig!“
Ich rüttle ihn, wenn der jetzt nicht seinen Mund aufmacht...!
Doch Aki schüttelt nur den Kopf.
Die Wut rauscht durch meinen Körper und ich merke, wie es sich in der meiner Faust sammelt.
Ohne weiter darüber nachzudenken, lasse ich meine Gefühle die Oberhand gewinnen und hole aus.
Doch bevor ich Akis Auge treffen kann, umfasst er mein Handgelenk und blockt so den Schlag ab.
„Lauri,“ Akis Stimme wird ganz leise, „merkst du denn nicht, was du machst? Du stellst dich mittlerweile sogar gegen deine Freunde. Mensch Lauri, ich hatte es schon schwer genug, deine Spuren hier zu verwischen und die anderen davon zu überzeugen, dass du einfach nur ohnmächtig geworden bist... ich will dir helfen! Verdammt, nun lass dir auch helfen! Ich will dich nicht durch das Zeug verlieren...“
Er hat sich in Rage geredet und man merkt ihm seine Verzweiflung deutlich an. Dabei hat er meine Hand losgelassen... sein Pech! Ich muss mir dieses Gejammer nicht anhören.
Verächtlich sehe ich, dass Aki Tränen über die Wangen laufen.
Heulsuse, elende...

**************************

„Mensch Aki, nu halt aber mal den Ball flach. Ich hab das schon alles im Griff, andere trinken, ich nehm halt das...“ Genervt rolle ich die Augen und zucke mit den Schultern.
„Lauri, du hast es nicht im Griff,“ Aki lässt die Schultern hängen, „schau dich an. Kannst du dir vorstellen, wie schlimm das für mich war, dich gestern so zu finden? Ich hab gedacht, du wärst tot!“ Das letzte Wort schreit er mir entgegen.

Nun hab ich endgültig die Nase voll. „Du kleiner Klugscheißer,“ fauche ich ihn an, „spiel dich hier nicht so auf. Du hast doch keine Ahnung, auch wenn du immer so tust als ob. Einbildung ist auch ne Bildung, was?“ Ich schreie wieder. „Misch dich verdammt noch mal nicht in meine Sachen ein, du bist die längste Zeit mein Freund gewesen! Paska!“
Ich hab keine Lust mehr, weiter in Akis Fresse zu schauen, darum wende ich mich ab und stürme aus dem Zimmer. Lautstark knalle ich die Tür hinter mir zu und renne den Flur runter. Die erstaunten Blicke der anderen Leute gehen mir am Arsch vorbei. Ich hab jetzt andere Probleme, als mich um so was zu kümmern...

Als ich endlich die Drehtür des Hotels hinter mir gelassen habe, atme ich einmal tief durch. Was mache ich jetzt?
Ich brauch neuen Stoff. Dieser Gedanke hämmert nur so ein meinem Kopf. Rechts... ich muss nach rechts... da hinten sieht’s belebt aus... da werde ich schon was bekommen. Ziellos irre ich durch die Straßen. Eigentlich ist es kalt, doch der Gedanke nach neuem Shit treibt mich weiter.
Ich komme immer weiter von der belebten Gegend ab, stoße immer weiter in weniger belebtes Gebiet vor. Hier sieht es nicht wirklich ordentlich aus und ich werde von vermutlichen bewaffneten Gruppen beobachtet.
Hier werde ich dann wohl hoffentlich fündig, Hoffnung kommt in mir auf.
„Was treibt dich denn in unser Revier?“
Mir stellt sich ein Muskelprotz in den Weg.
„Ich... ich...“ ich stottere vor mich hin.
„Er gehört zu mir,“ höre ich auf einmal eine Stimme hinter mir.
Ich drehe mich um.
Mikko steht hinter mir und legt seine Hand auf meine Schulter.
„Wir sind ja schon wieder weg.“
Er drückt mich in die Richtung, aus der ich gekommen bin und ich folge ihm.

„Was hast du denn bitte da gesucht?“ Er schüttelt den Kopf. „Du bist ja wahnsinnig.“
„Ich brauch neuen Stoff,“ selbst meine Stimme zittert schon.
„Das dachte ich mir, darum bin ich dir gefolgt.“ Mikko greift in seine Tasche, drängt mich aber weiter nach vorne.
„Wir suchen uns jetzt eine ruhige Stelle und dann bekommst du was von mir. So wie immer.“
Erleichterung macht sich in mir breit. Warum hab ich nicht gleich an Mikko gedacht?

Wir sind mittlerweile wieder im Hotel angekommen und zielstrebig gehen wir zum Lift. Ich kann es kaum erwarten, endlich mit Mikko alleine zu sein... okay, der Gedanke hört sich jetzt komisch an, aber ich hab keine Zeit zum Lachen...

Mit einem Pling öffnet sich die Fahrstuhl-Tür und es kommt mir unheimlich langsam vor, bis sie sich endlich wieder schließt.
Die Zeit zieht sich wie Kaugummi, bis wir auf unserer Etage angekommen sind. Gott sei Dank liegt Mikkos Zimmer gleich gegenüber. Ich stürme vor ihm her und endlich öffnet er die Tür. Sofort flitze ich ins Zimmer und hibble unruhig auf und ab.
„Du scheinst es aber wirklich nötig zu haben.“ Höre ich da ein bisschen Verachtung in seiner Stimme? Egal, her mit dem Zeug...
„Japp, ist schon ewig her. Loooohoooos!“ Ich hör mich schon fast an wie ein kleines Kind.
„Immer mit der Ruhe,“ bedächtig zieht Mikko eine Tüte aus seiner Tasche.
„Mit Koks kann ich dir momentan nicht dienen, aber ich hab dafür was besseres...“
Er lässt eine Pille in seine Handfläche rollen.
Gierig starre ich sie an, dann schaue ich fragend zu Mikko.

In diesem Moment klopft es an der Tür. Schnell lässt Mikko das Dope wieder in der Tasche verschwinden und öffnet.
„Mikko, ist Lauri bei dir?“ Pauli... der hat mir gerade noch gefehlt...
„Japp.“
„Gut, dann hab ich euch ja endlich gefunden. Der Bus wartet unten. Wir müssen los.“
„Wir kommen sofort.“
Pauli nickt, schwingt sich seine Tasche über die Schulter und trottet davon.
Puh, das war knapp.
„Hier,“ Mikko drückt mir die Pille in die Hand, „wir haben keine Zeit mehr für Spielchen. Nimm sie und dann müssen wir los.“
Dankbar nehme ich das kleine Dingen entgegen.

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In der Lobby angekommen, halte ich es noch immer wie einen Schatz in der Hand. Mir ist das gerade ein wenig zu hektisch und ich will das Eintreten des Rausches richtig erleben.
Schon von weitem sehe ich Akis leidendes Gesicht und ich könnte kotzen. Wie soll ich nur die nächsten Stunden mit ihm in einem Bus überstehen?
Schon allein bei dem Gedanken werde ich aggressiv.

Ich geselle mich zu der Gruppe. „Können wir dann los?“
„Lauri, da bist du ja endlich. Deine Tasche hat Aki schon mitgebracht.“
Ach ja, die hätte ich ja fast vergessen. Wie reizend von meinem Anstandswauwau...
„Danke,“ kaltherzig blicke ich Aki an und nehme ihm meine Tasche aus den Händen.
„Dann mal los,“ gespielt fröhlich tapper ich durch die Drehtür – zum zweiten Mal heute schon.
Die anderen müssen denken, ich kann den nächsten Gig kaum erwarten (wann war der noch mal?), doch ich will mich nur endlich von diesem Druck befreien und mich kopfüber ins nächste Hochgefühl stürzen.

Der Bus steht schon mit offenen Türen bereit. Ich werfe meine Tasche auf mein Bett und mich gleich hinterher.
An den Schritten höre ich, dass Aki hinter mir ist und bevor ich ihn noch mal sehen muss, ziehe ich den Vorhang zu.
Die schlurfenden Schritte gehen vorbei und behutsam öffne ich meine Hand.
Da liegt die Lösung, genau vor mir. In freudiger Erregung kann ich kaum noch an mich halten.
So klein und harmlos schaut sie aus, doch ich bin auf ihre große Wirkung gespannt, die Mikko angekündigt hat.
Hastig befördere ich die Pille in meinen Mund, doch meine Kehle ich völlig ausgetrocknet. Sie bleibt mir im Hals kleben.
Trinken... ich muss was trinken, sonst ist das alles umsonst. Hektisch ziehe ich den Vorhang zurück und springe in den Gang.
Auf dem Weg in die kleine Board- Küche stoße ich noch mit Eero zusammen, doch ich haste weiter.
Gibt’s denn hier nur Alkohol? Suchend blicke ich mich um. Egal, was muss das muss... ich greife wahllos nach einer Flasche und setze an.

Wohlig läuft die Flüssigkeit meinen Hals hinunter und ich spüre, wie sie das kleine Stück Dope mit hinunter reißt.
Wesentlich entspannter gehe ich nun zurück in meine Koje und lasse mich wieder aufs Bett fallen.

Schon nach kurzer Zeit merke ich, wie sich mein Körper entspannt und die Panik entweicht.
Automatisch legt sich mir ein Grinsen auf die Lippen und ich fühle mich gut. War die Decke eigentlich schon immer so bunt?

Euphorisch schlage ich die Beine über die Kante und setze mich auf. Nun bin ich bereit für einen neuen Tag, bereit für neue Gigs und bereit für neue Mädchen. Ob es wieder so eine leckere Auswahl gibt?

Ich schlendere zu der kleinen Sitzgruppe am Ende des Busses.
„Hey,“ Pauli winkt mir kurz zu, widmet sich dann aber wieder der Playstation.
„Hey,“ entgegne ich kurz und lasse mich dann in die Sitzecke fallen.
„Wo’sn Aki?“
Pauli deutet mit einem Kopfnicken Richtung Gang. „Er hat sich hingelegt.“
„Hm...“
Soll ich oder soll ich nicht? Scheiß drauf, ich bin so gut drauf, er soll was davon abhaben.

„Buh!“
Erschrocken über das heftige zurückreißen des Vorhanges schießt Aki in die Höhe und stößt sich gleich den Kopf dabei. Ich kann mein Kichern nicht zurück halten.
Akis böser Blick lässt mich gleich losprusten.
„Ha ha, wie schön, dass es dir wieder gut geht,“ mürrisch reibt er sich den Kopf. „Scheinst ja doch wieder was gefunden zu haben,“ gefährlich flüstert er mir die Worte zu.
Hui, hier ist aber schlechte Stimmung... dagegen muss ich was tun. Ich schwinge mich neben ihn ins Bett und lasse meine Beine baumeln.
„Aki, es tut mir leid, dass ich heute morgen so ruppig zu dir war,“ ich hoffe, das war ich auch wirklich, weil sonst mache ich mich jetzt hier zum Affen...
Aki nickt nur traurig. „Lauri, ich mach mir halt Sorgen um dich...“
Diese Worte kommen mir bekannt vor... „Ich weiß...“ Nun der Hundeblick, der wirkt immer... „Ich versprech dir, ich bekomm das hin... wirklich...“
Und? Und? Und? Wieder nickt Aki, dann schaut er mich an. Strike, es hat geklappt.
„Okay, Lauri. Ich bin bei dir, wenn du mich brauchst. Zusammen schaffen wir das!“
Er legt seinen Arm um mich und ich erwidere die Umarmung.

Ich springe wieder vom Bett. „So, und was machen wir jetzt?“ Ich bin völlig überdreht, könnte nur so Bäume ausreißen...

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„Dieses Rumgehüpfe macht mich wahnsinnig,“ stöhnt Eero auf. Der stellt sich aber auch an... ich kann doch nichts dafür, dass ich so gut drauf bin.
„Jungs, ich sehe schon die Halle!“ Aufgeregt trampel ich von einem Bein auf das andere...
„Sehr schön, dann hat dein Gehampel ja gleich hoffentlich ein Ende...“
In diesem Moment passiert der Bus die Absperrungen zum Backstage und ich stehe schon ungeduldig an der Tür. Kaum hat sich diese einen Spalt geöffnet, zwänge ich mich schon raus.
Ein paar Fans haben sich schon vor der Halle versammelt und als sie mich sehen, kommt Unruhe in die Menge. Ich winke ihnen fröhlich zu, was mit einem Kreischen quittiert wird. Die kann ich mir ja gleich mal aus der Nähe ansehen, vielleicht ja was für mich dabei.
Ich bin schon seit Stunden völlig überdreht und weiß einfach nicht, wohin mit meiner Kraft. Ein herrliches Gefühl...

Ich lasse mich noch einen Moment feiern, bis ich merke, dass meine Band schon in der Halle verschwunden ist. Die wissen einfach nicht, was ihnen entgeht... Ein letzten Winken und dann schleiche ich ein wenig missmutig hinterher.

Die Crew hat schon mit dem Aufbau begonnen, als ich die Halle betrete. Hektisches Stimmengewirr schlägt mir entgegen und ich sehe die Leute hektisch hin- und herrennen. Ich hab keine Lust, den anderen bei der Arbeit zuzusehen, darum verziehe ich mich sofort in den Backstage-Bereich. Dort steht schon das Bier kalt – wie es sich für echt Rockstars gehört... Ich greife nach einer Flasche und ziehe meine Kippen aus der Hosentasche.
So lässt es sich leben... mit Bier und Kippen und draußen stehen bald tausende von Weibern, die sich alle Finger nach mit ablecken... ein Grinsen huscht über mein Gesicht
„Du scheinst dich ja auch den Gig zu freuen,“ Aki lässt sich neben mich fallen. Einen Moment weiß ich nicht, wie ich diese Aussage auffassen soll, denn eigentlich weiß er doch längst, dass das nicht der Grund für meine Laune ist.
„Hm...“ Ich nehme den letzten Schluck aus der Flasche und drücke die Zigarette aus.
„Soundcheck?“
„Jupp.“
Komisch, unsere Gespräche sind so einsilbig geworden... doch diese Erkenntnis lässt mich nur mit den Schultern zucken.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“ Verdammt, Aki läuft mir ja wirklich überall nach.
„Nichts, ich hab nur nachgedacht...“
Damit lasse ich ihn stehen und verschwinde erst mal Richtung Toilette.
Wenigstens hier kann ich doch wohl meine Ruhe haben, oder?

Ich schließe mich in die Kabine ein und lasse mich auf dem Deckel nieder. Das totale Glücksgefühl lässt langsam nach und ich merke, wie mich eine bleiernde Müdigkeit überkommt.
Ich stütze meinen Kopf auf meine Hände und schließe meine Augen... nur einen Moment ausruhen, nur einen kleinen Moment...

„Lauri?“ Es klopft an die Kabine und ich schrecke doch.
„Lauri? Ist alles okay?“
Wieder hämmert Aki gegen die Tür und meine Arme sind fast zu schwer, um sie zu entriegeln. Mit letzter Kraft schaffe ich es aber doch.
„Mensch, ich hab dich schon überall gesucht... bist du eingeschlafen?“
Ich greife nach seinem Arm und drehe seine Uhr so, dass ich sie lesen kann. Oh je, stimmt ja... ich sitze nun schon seit gut einer halben Stunde hier und habe fest geschlafen.
Aki geht in die Hocke und schaut mich wieder ernst an.
„Lauri, so kann das nicht weiter gehen. Du brauchst Hilfe. Wenn du dir von mir nicht helfen lässt, dann bitte von jemand anderem...“
Sein letzter verzweifelter Versuch, zu mir durchzudringen... es ist rührend, wie er sich doch um mich sorgt.
Ich bin zu müde, um zu widersprechen und irgendwie hat er ja recht. Doch wie soll ich bitte den Gig heute schaffen, wenn ich nichts mehr nehme? Ich bin einfach zu müde und zu ausgelaugt und ohne Mikkos Wundermittelchen schaff ich das einfach nicht...

„Ich bin schon okay,“ ich zwinge mich zu einem Lächeln, „war nur ein bisschen viel für mich.“
Mühsam richte ich mich auf. Jetzt nur keine Schwäche zeigen... ich traue Aki zu, dass er sonst den Gig heute Abend abbläst...

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Mit viel Kraftanstrengung habe ich es geschafft, wieder auf die Beine zu kommen und mit wackeligen Schritten gehe ich auf Aki zu. Der beobachtet sorgenvoll alles, was ich tue. Nun erst mal zum Waschbecken... dort angekommen stütze ich mich auf dem Rand ab und bete inständig, dass das Dingen nun nicht abbricht.
Einen Moment ruhe ich mich aus, dann drehe ich den Wasserhahn auf... ich weiß auch, dass das nicht wirklich hilft, aber ich muss den Schein wahren...
So toll die Trips auch sind, das Runterkommen ist jedes Mal die Hölle... vielleicht hat Aki ja recht und ich sollte damit aufhören? ...
Oder ich muss einfach vorsorgen und mir immer eine zweite Dosis einstecken, damit mir das hier nicht noch mal passiert...

„Geht’s wieder?“ Aki legt mir besorgt eine Hand auf die Schulter und ich kämpfe mit mir, ob ich ihm die Wahrheit sage, mich endlich einmal bei ihm ausheule.
Wer kennt mich besser als ich mich selbst? Und wer kann mich besser verstehen als jemand, der die gleichen Situationen durchmacht?
Doch irgendetwas hindert mich daran, Aki meine Sorge zu erzählen... und wenn ich ganz tief in mich reinhorche, weiß ich auch, was das ist... mein Stolz!

Ich bin einfach zu stolz, um zuzugeben, dass mich das hier alles überfordert; dass ich dem Druck der Medien nicht mehr Stand halten kann; dass ich von den kreischenden Weibern einfach nur die Schnauze voll habe; dass es mich ankotzt, wie die Weiber sich durch die Crew ficken, nur um an die Band ranzukommen... gerade gestern hatte Mikko wieder eine von dieser Sorte mit auf dem Zimmer...

Klar, ich nehme mir auch ab und zu mal ein Mädchen mit, doch eigentlich nur zur körperlichen Betätigung und zur Bestätigung meines Egos.
Ich bin nun mal Lauri Ylönen, der Weiberheld und der Frontmann dieser Gruppe...
aber die Schattenseiten haben Besitz von mir ergriffen und nachdem Mikko mir meine erste Line angeboten hat, schien das alles auf einmal ganz leicht zu sein...

Ich hab alles viel lockerer gesehen und mir einfach keine Gedanken gemacht. Es ging mit alles viel besser von der Hand, ich hab gerockt wie früher und es hat einfach wieder Spaß gemacht, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen...

Anfangs war noch Angst dabei, doch nach und nach ist diese verschwunden... verdrängt oder verblasst, ich weiß es nicht...

Aber the Show must go on… schon Freddy Mercury hat das gesagt und den hat was viel schlimmeres dahin gerafft… ist das jetzt anmaßend und ein Höhenflug, wenn ich mich schon mit dem vergleiche?

Völlig in Gedanken lache ich auf und Aki schaut mich verwundert an...
„Was ist denn los?“

In mir kämpfen Engelchen und Teufelchen gerade gegeneinander... bin ich jetzt schwach von den fehlenden Drogen (was für ein hässliches Wort...) und will mehr oder bin ich gespannt auf den Gig? Von beidem ein bisschen und wenn ich Mikko gleich noch begegne, dann wird der Gig noch toller... okay, somit hat das Teufelchen gewonnen... auch gut...

Ich klopfe Aki auch die Schulter und lege meinen Arm um ihn.
„Auf geht’s, Hattu... Lass uns die Halle rocken...“

Gemeinsam gehen wir zurück zum Backstage und es ist fast wie früher.
Immer wieder tauchen bruchstückhaft Erinnerungen in meinem Kopf auf – Erinnerungen an alte Zeiten, an schlechte Zeiten, an lustige Zeiten... alles gemischt... und immer wieder kommen mir Aki’s Worte auf... „Du hast es versprochen“ ... er hat ja recht und eigentlich weiß ich das auch... vielleicht hab ich ja nach der Tour endlich die Kraft, mich ihm anzuvertrauen und endlich damit aufzuhören... aber bis dahin darf ich keine Schwäche zeigen und es muss weiter gehen...

**************************

Im Backstage angekommen schauen uns Eero und Pauli mit großen Augen an...
„Wo ward ihr denn so lange? Nun ist’s zu spät für den Soundcheck, der Einlass beginnt gleich,“ in Eeros Stimmt schwingt leichter Ärger mit.
„Ach komm Eero, wir haben das schon so oft gemacht, da kommt es auf einen Check mehr oder weniger auch nicht an,“ ich klopfe ihm auf die Schulter – wie eben bei Aki – und greife zu einem Bier. Dafür werden wir ja wohl noch ein bisschen Zeit haben...

Automatisch greife ich zu den Kippen, die da auf dem Tisch liegen. Wem auch immer sie gehören ... eins, zwei, drei ... meins!
Möglichst unauffällig lasse ich die Schachtel in meiner Hosentasche verschwinden. Natürlich nicht, ohne mir vorher eine Zigarette zwischen die Lippen gesteckt zu haben...
Alkohol und Kippen gehören zusammen wie Touren und ...

... Mikko steckt seinen Kopf zur Tür herein. Aus den Augenwinkeln kann ich sehen, wie Akis Haltung sich verspannt und er ihn böse anblinzelt. Unbeirrt davon wirft er ein fröhliches „Wir sind bereit, es kann also gleich losgehen“ in die Runde...
Täusche ich mich oder bleibt sein Blick einen Moment länger ans mir haften... kaum ist er da, merke ich wieder diese Unruhe in mir... am liebsten würde ich ihn jetzt anspringen und sämtliche Taschen nach so einem tollen Pillchen durchsuchen... ich merke, dass ich wieder zittere...

Doch schon ist die Tür hinter Mikko wieder geschlossen und ich kann dem Druck nicht mehr widerstehen. Ich hetze hinterher und greife gerade nach der Klinge, als ich eine warme Hand auf meinem Arm spüre, die mich zurückhält... Aki...

Seine Augen schauen mich traurig und verletzt an und zum ersten Mal seit langem, empfinde ich etwas dabei... doch ich kann nicht anders... er wird mich nicht retten können... nicht heute, nicht jetzt...
„Nur dieses eine Mal noch...“ flüstere ich ihm zu und resignierend lässt er mich los...

Er sackt in sich zusammen, doch in diesem Moment reiße ich schon die Türe auf und laufe Mikko nach.
„Mikko, warte!“

Gott sei Dank ist er noch nicht so weit entfernt und ich muss nicht so schreien. So nah an meiner Erlösung zu sein, raubt mir alle Kräfte und jede Zelle meines Körpers schreit nach Erlösung.
Diesmal ist es schlimmer als bisher... ich kann mich kaum darauf konzentrieren, Mikko um Stoff zu bitten.
Liegt es daran, dass sich diesmal mein Gewissen einschaltet? Dass ich Akis Augen vor mir sehe? Dass ich diesmal wieder Angst verspüre und nicht dagegen ankomme?
„Du brauchst schon wieder Stoff?“
Mikko unterbricht meine wirren Gedanken und zieht mich sogleich ein Stück mit sich. Mein Nicken übersieht er. Braucht er auch nicht sehen, er weiß sowieso, was ich von ihm will...

Wie so oft vor den Auftritten stehen wir abseits in einer Nische. Wir können den Gang gut beobachten, aber uns erkennt man nicht so schnell.
Man hört das Getummel aus der Halle, erste Rufe und Chöre sind zu hören, die nach uns verlangen. Es muss also jetzt schnell gehen... sonst steh ich das nicht durch!

Die Kippe werfe ich achtlos zu Boden, als Mikko in seine Tasche greift.
„Wie war der letzte Trip? Ist doch besser als Koks, oder?“
Bilde ich mir das ein oder leuchten seine Augen?
Ich kann wieder nur heftig nicken und presse ein „Geil...“ über die Lippen.

Da ist sie, die kleine weiße Pracht. Ich kann sie sehen, spüre sie förmlich schon auf meiner Zunge und Vorfreude breitet sich in mir aus.
„Kostet aber ein bisschen mehr,“ Mikko hält die Pille nun in der Hand und schaut mich an.
Ich nicke nur. „Passt schon.“
Er nickt ebenfalls und reicht mir das LSD.
Hastig greife ich danach und werfe sie gleich ein. Mikko reicht mir eine Flasche Wodka... wo er die nur wieder her hat? Egal, runter damit... er denkt wenigstens an alles.

Der Gedanke alleine, dass gleich die Wirkung eintritt, macht mich schon ruhiger. Ich entspanne mich langsam und warte ab.
Mikko nimmt mir die Flasche wieder ab und drängt mich wieder auf den Gang.
„Es dauert nicht lange,“ er scheint meine Ungeduld zu merken.
„Ich weiß,“ grinse ich und mache mich auf den Weg zurück zur Garderobe. Ich muss mich ja noch schminken, bevor es auf die Bühne geht...

„Was wolltest du denn von Mikko?“ Pauli ist verwundert, während Aki meinem Blick ausweicht.
„Der hatte noch meinen Wodka,“ verdammt, ich bin so gut...
Pauli lacht kurz auf und widmet sich dann wieder den Knöpfen seines Hemdes...

Ich greife auch nach meinem Kajalstift und stelle mich vor den Spiegel. Mit größter Sorgfalt ziehe ich die Striche und verwische sie dann wieder... schnell noch ein paar Federn und die Haare und es ist perfekt... so kennen und lieben mich meine Fans und ich will sie ja nicht enttäuschen...

„Fertig?“
Die anderen stehen schon im Kreis und ich geselle mich zu ihnen. Wir legen die Arme umeinander, dann streckt jeder seine linke Hand in die Mitte...
„Goooooooooooooood luuuuuuuuuuck....“ mit diesen Worten werfen wir unsere Hände wieder in die Luft und es kann losgehen.

Während erst Pauli, dann Eero und letztlich Aki die Bühne betreten, schwillt das Kreischen der Mädchen an... doch das erfahrene Ohr hört sofort, dass das noch nicht alles ist... den Rest ihres Lungenvolumens bewaren sie sich für mich auf... ich grinse in mich hinein, bevor ich mich auch in Gang setze und in die Mitte der Bühne gehe... na also, hab ich’s doch gesagt... der Lärm schwillt ohrenbetäubend an und ich genieße den Rummel um mich... Aki schlägt den Takt an und es kann losgehen...

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Schon nach der ersten Strophe spüre ich das Adrenalin, was meinen Körper belebt... gemischt mit immer bunter werdenden Farben.
Die Fans singen jedes Wort mit und mir ist so, als ob da gerade ein BH auf die Bühne geflogen ist... muss ich gleich mal nachschauen... dummerweise hab ich nicht gesehen, von dem der kam und ob der vielleicht bis eben noch getragen wurde... fast ärgere ich mich schon über meine Nachlässigkeit, doch schon werde ich vom nächsten Energieschub gepackt.

Ich springe auf und ab, bis ich das Gefühl habe, meine Knie lassen nach; dann renne ich wieder im Kreis; laufe kreuz und quer über die Bühne. Der Schweiß rinnt mir in nicht gerade schmalen Bächen von der Stirn und den Rücken runter... doch Pauli haut schon wieder in die Saiten und ich werde immer und immer wieder vom Sound mitgerissen...

Spontan stelle ich mich vor Akis Drums auf und tanze ihn an. Das wird mit einem Kreischen der Fans belohnt und so lasse ich lasziv die Hüften kreisen. Das Geschreie wird schriller und wenn jetzt nicht mindestens 5 Mädels in Ohnmacht gefallen sind, dass möchte ich nicht mehr Lauri Ylönen sein... bis zu beiden Ohren grinsend drehe ich mich wieder der Masse zu und tatsächlich... die Ordner sind schwer damit beschäftigt, die Menge im Zaum zu halten.

Oho Oho... die Masse singt mit mir um die Wette. Diese ganzen federbestückten Möchtegern- Gruftis hüpfen wie verrückt und ich fühle mich wie Gott.

I've been watching
I've been waiting
In the shadows all my time
I've been searching
I've been living
For tomorrows all my life
I've been watching
I've been waiting
I've been searching
I've been living for tomorrows

In the shadows

Von wegen im Schatten. Sieht denn außer mir niemand diese tollen bunten Punkte, die durch die Halle schwirren?
Ich schaue mich kurz um und meine Bandkollegen scheinen sie nicht zu bemerken, vom Publikum mal ganz zu schweigen. Die zelebrieren noch immer mit Teufelszeichen unsere düstere Musik...

Das kann doch nicht sein, dass ich der einzige bin... einen kurzen Moment bin ich verwirrt, doch die Bühne und die Halle werden immer bunter. Die Lightshow erscheint mir greller und schöner als jemals zuvor.

Hey, die Dinger fliegen ja direkt auf mich zu. Ich bin so fasziniert, dass ich fast meinen nächsten Einsatz verpasse...
Einfach ignorieren, erst mal müssen wir den Gig hinter uns bringen und dann können wir uns mit den tollen Punkten befassen.

Noch ein letztes Mal der Refrain und dann ist gut... ich hab auch nicht mehr wirklich Lust, irgendwelche Zugaben zu geben... vielleicht kann ich die Jungs ja überzeugen... brav kommen sie nach vorne, wir bilden eine Kette und lassen uns noch einmal von den Massen feiern... wie mechanisch verbeugen wir uns und dann verteilen Pauli und Aki routinemäßig ihre Utensilien...

Ich verlasse die Bühne als erster, schaue mir jedoch aus einer sicheren Ecke das Treiben noch einen Moment an...
Nacheinander kommen die anderen von der Bühne und klopfen mir auf die Schulter. Ich kann die Freude in ihren Augen sehen, sie sind mit dem Gig zufrieden und total glücklich.
Ich schließe mich ihnen an und wir tappern in die Garderobe, wo gleich alle auf einmal ihre Emotionen über den Gigs loswerden wollen.

Ich weiß nicht, wie lange wir hier schon sitzen, aber der Lärm aus der Halle wird leiser und man kann schon die ersten Geräusche des Aufräumens hören.
Kisten werden geschleppt und die Crew ruft sich immer wieder etwas zu.

Mir wird das gerade ein bisschen viel, zumal der Trip nachlässt und ich stehe auf, um den Raum zu verlassen. Unbemerkt, wie ich hoffe...

Mein Weg führt mich raus aus dem Backstage und ich betrete die leere Halle. Irgendwie ist es ganz schön hier, wenn man nur von wenigen Menschen umgeben ist und diese auch noch kennt.
Ich schaue mich um und mein Blick bleibt an einem Gerüst unter der Decke hängen. Wie es wohl ist, von dort oben auf die Bühne zu schauen?

Fast automatisch machen sich meine Füße wieder auf den Weg und recht bald finde ich die Leiter, die nach oben führt.
Jede Sprosse ist eine Last und ich merke wieder einmal zu deutlich, wie ausgepowert ich bin.

Endlich bin ich oben angekommen und wage den ersten Blick nach unten. Huch, das ist doch ganz schön hoch. Egal, ich laufe weiter in die Mitte des Gerüstes und halte mich dabei krampfhaft am Geländer fest.
Dann setze ich mich hin und lasse die Beine baumeln.

Dafür, dass ich hier eigentlich nur ein bisschen Ruhe haben wollte, fängt mein Kopf wieder arg an zu rattern...

Eigentlich sollte ich doch der glücklichste Mensch der Welt sein... ich hab Freunde, die für mich einstehen, ich habe die Musik, ich habe Fans, ne Masse Geld und eigentlich kann ich mir doch alles leisten... meine Familie liebt mich und selbst ne Freundin sollte ja irgendwann mal drin sein... doch diese Traurigkeit tief in mir drängt mich zu Dingen, die ich vielleicht unter anderen Umständen nicht getan hätte... unter anderem gehören dazu auch die Exzesse mit LSD oder Koks... wobei das vermutlich nur der Anfang ist... wer weiß, welche Goldgruben Mikko noch so entdeckt hat...

Vielleicht hat Aki ja auch einfach nur recht und ich sollte das Zeug einfach mal weglassen, dann regelt sich alles von ganz alleine... oder auch nicht...
Immer wieder muss ich an früher denken... die ersten Proben mit Janne, die ersten eigenen Lieder, die Party, als wir endlich unseren ersten Gig hinter uns gebracht haben, dann die Freude über den Plattenvertrag.
Das waren noch Zeiten... so glücklich und schon so lange her... nichts ist mehr von dem Glück geblieben. Ich mache alles nur noch mechanisch und an selbst das Schreiben fällt mir schwer. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätte ich es dann genauso gemacht?

Meine Gedanken werden von einem Schwindelanfall unterbrochen. Scheiße, es geht schon wieder los. Der Trip ist vorbei und das Loch, in das ich jedes Mal danach zu fallen drohe, öffnet sich vor mir.
Schwankend versuche ich, aufzustehen.
Mir wird wieder schwarz vor Augen und ich torkle nach hinten. Panik steigt in mir auf und meine Hand sucht nach etwas, an dem ich mich festhalten kann... doch ich greife ins Leere.

Verzweifelt versuche ich, mich zu orientieren. Wo geht es zurück zur Leiter, in welcher Position befinde ich mich hier... ich muss hier sofort wieder runter und dann muss das mit dem Zeug aufhören... so kann es nicht weiter gehen... in Todesangst mache ich mir selbst dieses Versprechen...

So, und nun Schritt für Schritt weiter... vorsichtig setze ich meinen Fuß nach vorne... und trete ins Leere...

Nun ist alles aus... ich weiß es genau... nun wird mir keiner helfen können und der Wind des Fallens rauscht an mir vorbei... in Windeseile laufen mir meinem inneren Auge einige Szenen meines Lebens an mir vorbei... ich sehe meine Eltern, Hannah, Aki, Pauli und Eero vor mir...

Der Boden rast immer schnell auf mich zu und ich schließe die Augen, den Aufprall erwartend...

Ein dumpfer Schlag, ich spüre meinen Körper nicht mehr und das Knacken in meinem Hals verrät mir, dass dies nun wirklich das Ende ist... keine Versprechungen mehr, keine heimlichen Geschäfte mit Mikko, keine Lügen mehr...

Das war’s nun... das Ende des großen Lauri Johannes Ylönen...

~ THE END ~

(geschrieben vom 09.03.06-19.03.06)
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